Leugnung einer sicheren Gotteserkenntnis

Predigt für den Dreifaltigkeitssonntag, 12. Juni 2022

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

In Christus geliebte Gläubige,

Das Dreifaltigkeitsfest am Oktavtag von Pfingsten ist wie eine süße Kirsche auf einer guten Torte, ein wunderbarer Abschluß des Osterkreises, eine Öffnung hin auf die zweite Hälfte des Kirchenjahres.
Für die „Modernen“ hat dieses Fest keinen Sinn. Es ist ihnen vielmehr peinlich.

„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte, und wie unerforschlich seine Wege!“

(Röm 11,33)

Der moderne Mensch mißversteht diese Aussage des hl. Paulus. Er folgert daraus, dass wir nichts wissen können über Gott, wenigstens nicht mit Sicherheit. Diese radikale Leugnung einer sicheren Gotteserkenntnis verweist die Theologie in den Bereich der Phantasie, der Spiritualität oder des individuellen Geschmacks und Interesses. Diese Haltung nennt man Agnostizismus. Damit bezeichnet man jedes philosophische System, welches davon ausgeht, dass die Menschen nichts mit Sicherheit erkennen oder wissen können. Insbesondere betrifft dies jene Dinge, welche unsere körperlichen Sinne nicht direkt sehen und wahrnehmen können. Nur empirische Wissenschaft gilt für die „Modernen“ als Wissenschaft, da sie von Experimenten handelt, welche uneingeschränkt wiederholt und damit stets aufs Neue als „wahr“ erwiesen werden können.

Wie modern sind diese „Modernen“? Wenn man nach dem geht, was der hl. Paulus im ersten Kapitel desselben Römerbriefs schreibt, dann ist diese Art von Modernität oder Modernismus eher Unwissenheit, Torheit oder Bosheit zu nennen. Sie ist so alt wie die Welt, oder genauer gesagt, so alt wie die Sünde:

„Denn es offenbart sich der Zorn Gottes vom Himmel über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit jener Menschen, welche die Wahrheit Gottes in Ungerechtigkeit niederhalten; weil das, was von Gott bekannt ist, in ihnen offenbar ist, denn Gott hat es ihnen kundgegeben. Denn was an ihm unsichtbar ist, wird am Schöpfungswerke der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen: seine ewige Macht und Gottheit, so dass sie unentschuldbar sind.“

(Röm 1,18-20)
Gott hat der menschlichen Seele, dem menschlichen Geist, die Fähigkeit der Einsicht oder des Denkens gegeben. Diese Einsicht ist von Natur aus fähig, das Wesen der Dinge zu erkennen. Deshalb gibt es auch ein Mindestmaß von dem, was jeder Mensch über Gott wissen kann, wenn er seine Denkfähigkeit gut und richtig benützt. Diese Dinge sind in erster Linie: die Existenz Gottes und Seine Vorsehung sowie Seine Eigenschaften der Weisheit, Güte und Allmacht. „Denn was an ihm unsichtbar ist, wird am Schöpfungswerke der Welt in den erschaffenen Dingen geistig wahrgenommen: seine ewige Macht und Gottheit“, wie der hl. Paulus schreibt. Seine Schlußfolgerung läßt keine Ausrede gelten. Jene, die Gott nicht kennen, oder welche seine Wesenseigenschaften nicht richtig fassen, „sind unentschuldbar“, weil sie „die Wahrheit Gottes in Ungerechtigkeit niederhalten“, wobei Ungerechtigkeit hier Sünde im Allgemeinen bedeutet. Der Völkerapostel schließt weiter daraus, dass jegliche Art von schändlichem Götzendienst sowie körperliche Perversion eine Folge davon sind, wenn der Mensch seine Vernunft leugnet oder nicht richtig benutzen will.

Der Modernismus hat die hl. Kirche im 19. sowie im 20. Jahrhundert geplagt. Der hl. Pius X. nennt ihn ein Sammelbecken aller Häresien, eine Kloake, wo jede Art von ideologischer Unreinheit zusammenfließt. In ähnlicher Weise ist die gängige verbreitete Ideologie eine Kloake, wo alle geistige Unreinheit zusammenkommt. Sie stinkt zum Himmel. Die heutige selbsternannte Elite aber umarmt diese gesammelte Unreinheit, als wäre sie ein wertvoller Schatz! Verkehrtheit wird allerort „zelebriert“. Eine falsche und lächerliche Idee jagt die andere. Es ist ganz wie im Märchen „des Kaisers neue Kleider“, aber um ein Vielfaches lächerlicher. Dadurch aber wird der Geist der meisten Menschen mit unwürdigen Gegenständen beschäftigt anstatt sich auf das zu konzentrieren, was gut, wahr, schön, wertvoll und tugendhaft ist. „Weil sie, nachdem sie Gott erkannt hatten, ihn nicht als Gott verherrlichten, noch ihm Dank sagten; sondern sie wurden eitel in ihren Gedanken, und ihr unverständiges Herz war verfinstert. Indem sie nämlich behaupteten Weise zu sein, sind sie Toren geworden.“ (Röm 1,21-22) Spricht es nicht Bände, wenn die Möchtegern-Herren der heutigen Zeit mit Äußerungen aufwarten wie: „Kinder haben ist das Schlimmste, was Sie für die Umwelt tun können“ oder „Das Beste, was Sie für Ihr Kind tun können, ist, dass Sie kein zweites bekommen“ (so in einer Werbung, welche in Vancouver in Kanada auf großen Plakaten prangte)?

„Gegen den Heiligen zeigst du dich heilig und gegen den Unschuldigen zeigst du dich unschuldig. Gegen den Auserlesenen zeigst du dich auserlesen und gegen den Verkehrten zeigst du dich verkehrt“, singt der Prophet und König David (Ps 17,26-27). Wie eh und je, ja mehr denn je müssen wir die Seite wählen, auf welcher wir leben und für welche wir kämpfen! In ein oder zwei Jahren könnte es sein, dass das einfache Bekenntnis eines einzigen Gottes in drei Personen als „Haßrede“ abgestempelt wird, weil es die anderen „monotheistischen Religionen“ „ausgrenzt“. Wer weiß …? Immerhin feiern die „Modernen“ schon seit zwei Jahrzehnten den Monat Juni mit „Stolz“ (Pride) auf ihre vielfältigen Verkehrtheiten, anstatt das Heiligste Herz ihres Erlösers zu ehren! Der Katholik sucht seine Ehre, indem er Gott ehrt (s. 2Kor 10,17). Der „moderne“ Mensch sucht seinen Ruhm in seiner Schande (s. Phil 3,19).

Deshalb hat das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit für die „Modernen“ keinen Sinn, es ist für sie zur Unmöglichkeit geworden in jedem Sinne des Wortes.
Darin sind sie keineswegs modern, sondern Erben der muslimischen oder jüdischen Sekte, welche erklären, dass der Glaube an einen Gott in drei göttlichen Personen Gotteslästerung und Vielgötterei sei.

Die „Modernen“, darunter viele nominelle Katholiken, gehen dabei viel weiter, wenn sie schlichtweg die Existenz geistiger Wirklichkeiten leugnen: Gott, die Engel, die menschliche Seele; alles, was damit zusammenhängt, wie Liebe, Freude, Tugend und alle wahrhaft menschlichen Werte. Ihre Lehrer praktizieren Psychologie und Psychiatrie, was Lehre von der Seele und Seelenheilung bedeutet, ohne an die Existenz der Seele zu glauben. Ihre Gelehrten betreiben Theologie, ohne an Gott zu glauben, wie Er sich den Menschen geoffenbart hat.

Als Katholiken mitten in dieser Zeit müssen wir uns davor hüten, in ihre Fußstapfen zu treten. Leicht kann man sich fangen lassen in den vielen Schlingen, welche dieses System ausgelegt hat. Darin spielt vielleicht Satan seine letzte Karte aus, indem er der Menschheit vorgaukelt, dass sie die Stelle Gottes einnehmen und ihm gleich sein kann. Auf diese Weise hat er ja unsere Voreltern Adam und Eva verführt: „Die Schlange aber sprach zum Weibe: Keinesweges werdet ihr sterben. Denn Gott weiß, dass, welchen Tages ihr davon esset, eure Augen sich auftun und ihr wie Götter sein werdet, Gutes und Böses erkennend.“ (Gen 3,4-5) Er versucht es noch immer, und heute scheint ihm Erfolg beschieden, wenn er seine falschen, bösen und gottlosen Ideen nicht nur einigen, sondern den meisten menschlichen Geistern und jeglicher menschlicher Gesellschaft aufprägt. Ein Meisterstück dabei ist, dass der Teufel sich selber als Verführer und Versucher unsichtbar macht, indem er die Menschen glauben macht, es gäbe keine geistigen Wesen!

Gewiss kann auch der Katholik und das Kind Gottes Gott nicht mit den Augen sehen. Doch unser Verstand ist von Gott dazu geschaffen worden, Gott zu erkennen. Der menschliche Geist ist fähig, Gott zu erkennen. Er hat die Pflicht, Gott zu kennen, um Ihn zu lieben und Ihm zu dienen. Nur auf diese Weise kann der Mensch seine Seele retten.

Deshalb müssen wir uns gegen das „moderne Denken“ wappnen. Das moderne Denken ist das Gegenteil von Denken, weil es von einer falschen Voraussetzung ausgeht, nämlich dem Agnostizismus. Letztendlich bedeutet das, dass es gegen die Eigenart des menschlichen Verstandes vorgehen muss, nämlich gegen das Widerspruchsprinzip. Eine Sache kann nicht sie selbst und ihr Gegenteil sein zur selben Zeit und unter demselben Gesichtspunkt. Das chemische Element Kohlenstoff kann ein Stück Kohle sein oder ein wertvoller Diamant. Aber eine Kohle ist kein Diamant, ein Diamant ist keine Kohle. Sie bestehen aus demselben Material, aber sie haben nicht dasselbe Wesen, dieselbe Substanz.
Richtiges und rechtes Denken ist von größter Bedeutung für das katholische Leben! Man braucht kein Philosoph oder Gelehrter zu sein, um Katholik zu sein. Aber man muss notwendiger Weise seinen gottgegebenen Verstand benutzen für den Zweck, für den Gott ihn gemacht hat und so, wie Gott ihn gemacht hat. Sonst landet man bei der Einstellung „Wer weiß…?“ Damit hätte man sich dem feindlichen Lager angeschlossen, wahrscheinlich ohne es selbst zu merken.

Wenn Sie sich selber etwas Gutes tun wollen am Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, dann beten Sie das Athanasische Glaubensbekenntnis mit ganzem Verstand, aus ganzer Seele, wie die Kirche es heute und an vielen Sonntagen tut. Der erste und größere Teil ist eine tiefgründige Erklärung der Glaubenswahrheit von der Dreifaltigkeit Gottes und eine Zurückweisung vieler Irrtümer, welcher dieser Wahrheit entgegengesetzt sind.

„Von Dir laß’ nimmer scheiden mich“, beten wir in dem schönen „Anima Christi – Seele Christi“. Jeden Tag müssen wir den Dreieinigen Gott bitten, dass wir uns nicht von Ihm trennen, unserem Schöpfer, unserem Vater, Erlöser und Richter. Wir müssen Ihm verbunden bleiben und uns bemühen, Ihm stets näher zu kommen durch Jesus Christus, Unsern Herrn. Wir können Unsern Heiland nur kennen und ihm dienen, wenn wir der Kirche treu sind, welche er gegründet hat. Wir können der katholischen Kirche nur treu sein, wenn wir uns nach Kräften bemühen, den Buchstaben und den Sinn der kirchlichen Lehre zu kennen und zu verstehen.

Möge Unsere Liebe Frau, die geliebte Tochter des himmlischen Vaters, die erhabene Mutter des Gottessohnes, die Braut des Hl. Geistes, der vollkommene Tempel der allerheiligsten Dreifaltigkeit, uns zu Hilfe kommen in unserem Kampf um die Gesundheit unseres Geistes und um unsere Heiligung.

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

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