Die hl. Eucharistie ist die Trennlinie zwischen echter und falscher Spiritualität

Predigt für den Sonntag in der Fronleichnamsoktav, 19. Juni 2022

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

In Christus geliebte Gläubige,

Am vergangenen Sonntag haben wir erklärt, wie das Dreifaltigkeitsfest für die Modernen und Modernisten unmöglich geworden ist. Das falsche Konzept des radikalen Agnostizismus führt zur grundlegenden religiösen Indifferenz. Wenn wir nichts sicher wissen können, wie könnten wir dann je behaupten, Gott sei einer in Seinem Wesen und drei in den Personen! Behaupten wir doch lieber, dass „die drei monotheistischen Religionen denselben Gott anbeten“.

Wenn wir auf das schauen, was uns näher betrifft, nämlich uns als Katholiken, dann müssen wir heute eine weitere „unbekannte“ Wirklichkeit betrachten, nämlich das Allerheiligste Altarsakrament.
Am Nachmittag des Ostertages gingen zwei Jünger Christi von Jerusalem nach ihrem Heimatort Emmaus. Der Heiland gesellte sich zu ihnen, doch sie erkannten ihn nicht. Und doch waren sie ihm nahe gestanden. Einer von ihnen war wohl Kleophas, der Eigentümer des Abendmahlssaales. Seine Frau, Maria Kleophae, die Schwester der Jungfrau Maria, war eine jener frommen und mutigen Frauen, welche am Fuße des Kreuzes ausgeharrt hatten (vgl. Joh 19,25). Die Emmausjünger haben Christus damals nicht erkannt, obwohl sie mit ihm verwandt und als Jünger nahe gewesen waren! Sie hatten noch nicht den großen Sprung gewagt, dass sie verinnerlichten, im Innersten verstünden, wer er wirklich war.

Ähnlich ist es bei jedem Katholiken. Er beginnt seinen Weg zum Himmel, indem der Vater ihn zum Sohne hinzieht (vgl. Joh 6,44), gedrängt von der göttlichen Gnade. Doch fast sicher wird er sich früher oder später verstricken, indem er eine oberflächliche Auffassung entwickelt vom christlichen Leben. Er bleibt stehen bei den Vorschriften, Gepflogenheiten, Rubriken und Andachten. Er ist vielleicht bis zu einem gewissen Grad eifrig. Aber irgendwann flaut der erste Eifer, die erste Liebe für Christus ab. Routine und Oberflächlichkeit machen sich bemerkbar. Das christliche Leben erscheint als etwas eher Äußerliches denn Innerliches in Bezug auf die menschliche Persönlichkeit. Die große Gefahr besteht darin, dass man sich mit diesem Zustand oder mit dieser Auffassung arrangiert.

Eine Person etwa, welche den heiligen Bischof von Genf, Franz von Sales, bewunderte, wollte ihn nachahmen, um selber heilig zu werden. Sie hat also den vorbildlichen Bischof beobachtet und bald das vermeintliche Geheimnis seines heiligen Lebenswandels entdeckt, nämlich die Art und Weise, wie er seinen Kopf beim Beten zur Seite neigte. Natürlich ist das Unsinn – frommer Unsinn, aber trotzdem Unsinn.

Das Geheimnis eines guten, vollkommenen und heiligen katholischen Lebens liegt nicht in äußeren Formen. Diese sind wichtig, weil wir aus Leib und Seele bestehen: eine anständige Körperhaltung, welche die Sammlung und das Gebet fördert; die Zeremonien und Gebräuche der Kirche … Wir sind keine einfachen Tiere, Körper mit einem vergänglichen Lebensprinzip. Wir sind auch keine Engel, reine Geister ohne Leib. Wir sind vernunftbegabte Lebewesen, wie die Philosophie sagt, „animal rationale“. Doch die Seele ist eindeutig wichtiger als der Leib, und wir müssen die rechte Ordnung, die rechte Vernunft beherzigen.

Die Herzmitte des christlichen Lebens ist die hl. Messe, die hl. Eucharistie, die hl. Kommunion.
Die große Frage ist: Warum hat die hl. Kommunion, die oftmalige Kommunion gepaart mit der regelmäßigen Beichte, einen so relativ geringen Einfluß auf das Leben der meisten Katholiken? – Warum haben Millionen Katholiken relativ einfach und schnell die Handkommunion angenommen, als Montini mit seiner „neue Messe“ auf den Plan getreten ist? Gewiß hat es viele Priester und Gläubige gegeben, welche dieses gottesräuberische Verhalten niemals angenommen haben. Manche haben ihre Karriere und ihr Leben für die ehrwürdige Praxis der Mundkommunion geopfert und heldenhaften Widerstand geleistet gegen die Handkommunion. Doch sie sind eine Minderheit geblieben. Das ist geschehen, obwohl der Kult der hl. Eucharistie, die Verehrung des Allerheiligsten Sakraments des Altares sich über Jahrhunderte gleichmäßig weiterentwickelt hatte. Das IV. Laterankonzil hat im Jahre 1215 das Dogma von der Wesensverwandlung verkündet. 1264 hat Papst Urban IV. das Fronleichnamsfest in der gesamten Kirche eingeführt und den hl. Thomas von Aquin mit dem Verfassen eines eigenen Offiziums und eines Meßformulars betraut. Nach großen bösartigen Anfeindungen vor allem im 16. Jahrhundert hat das hl. Konzil von Trient eingehend gelehrt und Vieles definiert über die Messe als Opfer und die hl. Kommunion. Der lange Kampf gegen eine falsche „Reformation“ kulminierte in der Herz-Jesu-Verehrung, welche in der ganzen katholischen Welt Verbreitung gefunden hat. Der hl. Papst Pius X. hat am Anfang des 20. Jahrhunderts dies alles in seinen Dekreten über die frühe und die öftere Kommunion zusammengefaßt.

Kurz gesagt verstellt die sogenannte moderne Spiritualität den Weg zur wahren Innerlichkeit zwischen der Seele und ihrem Schöpfer und Erlöser. In ähnlicher Weise hat die sogenannte moderne Wissenschaft den Weg zur wahren Erkenntnis und zum wahren Wissen verstellt, das in der „cognitio certa per causas – dem sicheren Wissen durch die Urgründe oder Ursachen“ besteht. Wahre Philosophie, wahre Spiritualität und wahre Wissenschaft suchen nach dem, was der Schöpfung Gottes zuinnerst ist. Die falsche moderne Wissenschaft dagegen schaut auf das Äußere der Dinge, die Phänomene, und „ertränkt den Fisch“, indem sie elend lange Studien produziert, ohne ins Innere der Fragestellungen vorzudringen. Sie sucht nach Außerirdischen in den unendlichen Weiten des uralten Universums. Sie glaubt nicht an die Schöpfung der Erde vor knapp 7.500 Jahren. Sie weiß auch nichts vom göttlichen Geist, der im innersten der menschlichen Seele wohnen will.
Die Moderne besteht darin, dass man sich von der Sinnlichkeit bestimmen läßt, welche durch unsere vielen sündhaften Neigungen geprägt und verdorben ist. Der moderne Mensch rühmt sich dessen, was schamlos und sündhaft ist, wie der „Pridemonat“ beweist, welcher alljährlich im Juni gefeiert wird.

Der Katholik befindet sich in der ständigen Gefahr, dieser Oberflächlichkeit und Äußerlichkeit anheim zu fallen.
Das katholische Leben besteht im Angehen gegen die geschwächte und zum Bösen neigende Sinnlichkeit durch Selbstverleugnung, Abtötung, den guten Gebrauch der Gnade Gottes. Jede Seite des Evangeliums spricht davon.

Die hl. Kommunion, die hl. Eucharistie ist die Trennlinie zwischen echter und falscher Spiritualität und Sinnlichkeit. Wir empfangen den Heiland in Form von Nahrung. Nichts wird mehr Teil unser selbst als die Nahrung. Sie wird in unserem Leib aufgenommen. Doch die eucharistische Speise ist nur für unsere Seele bestimmt. Die konsekrierte Hostie ist nur das Vehikel und Instrument, durch welches unsere Seele die Gnade Christi empfangen soll. Während das Sakrament im Leibe empfangen wird, wirkt es in der Seele.

Wir müssen die hl. Kommunion immer im Gnadenstand empfangen, niemals im Stande der Todsünde. Die Kirche schreibt ausdrücklich vor, dass jemand, dem sein Gewissen eine schwere Sünde vorwirft, zuerst zur hl. Beichte gehen muß, bevor er die hl. Eucharistie empfangen kann. Die vollkommene Reue genügt hier nicht, obwohl sie an sich genügt, um die heiligmachende Gnade in der Seele wieder herzustellen. In Anbetracht der großen Würde der hl. Eucharistie besteht die Kirche darauf, dass alle gebotene Vorsicht angewendet wird.

Die hl. Kommunion schenkt uns nicht nur die Gnade, so wie alle anderen Sakramente auch. Sie enthält wesenhaft den Urheber der Gnade selber, Christus, wahrer Gott und wahrer Mensch. Deshalb enthält sie unendlich viel Gnade. Eine einzige hl. Kommunion, jede Kommunion besitzt die Kraft, eine Seele vollkommen heilig zu machen. Es gibt keine Beschränkung auf seiten dessen, der sich uns ganz hingibt, mit Leib, Blut, Seele und Gottheit!

Er ist ungeteilt, wir nicht. Der Empfang der hl. Kommunion ist sozusagen das Gebiet, auf dem das Hauptgebot zuerst angewendet werden muß: „Und du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüte, und aus allen deinen Kräften.“ (Mk 12,30) Wie alle guten Eltern und Erzieher verlangt Gott von Seinen Geschöpfen nichts, was Er nicht selbst zu tun bereit ist. Gott hat alle Dinge vollkommen und geordnet erschaffen. Christus hat uns das vollkommene Beispiel aller Tugenden gegeben. Er hat selber getan, was er später gelehrt hat. Er hat nicht ein wenig von seinem Kostbaren Blut vergossen, sondern alles, bis zum letzten Tropfen. Darin müssen wir ihn stets besser nachahmen, immer vollkommener. Wir müssen uns dazu bringen, Gott mit ganzem Herzen zu dienen. Wir müssen Ihm stets das Beste von dem geben, was wir sind oder was wir haben.

Wenn wir dies üben, werden wir stets vertraulicher und innerlicher werden in unserm Umgang mit Christus und mit Gott. Unser Wissen um Gott muß immer mehr verinnerlicht, herzlicher und tiefgründiger werden. Unsere Liebe zu Gott muß zu einer wahren und unverbrüchlichen Anhänglichkeit an Gott werden, der unserer Liebe unendlich würdig ist und der eifersüchtig ist auf unsere Liebe. Wahre Liebe möchte ihren Gegenstand stets besser erkennen, umfangen und besitzen. Wir müssen neugieriger sein, Gott zu erkennen, so wie der hl. Thomas von Aquin, der seine Lehrer in Monte Cassino oft fragte: „Wer ist Gott?“ Auch müssen wir ein großes Verlangen haben, Gott zu besitzen. Unsere Überzeugung, dass Gott unendlich gut ist, muß wachsen. Er will und kann uns nur Gutes tun: „Kostet und sehet, dass der Herr gütig ist; glückselig der Mann, der auf ihn hofft!“ (Ps 33,9), betet die Kirche öfter bei der Kommunion. Gott verlangt nach unserer Heiligung und Rettung, und wir müssen es Ihm gleichtun. Durch den Propheten Isaias spricht Gott: „Kann etwa ein Weib ihres Kindes vergessen, dass sie kein Mitleid trage mit dem Sohne ihres Schoßes? Und wenn sie dessen vergäße, so werde ich doch deiner nicht vergessen!“ (Is 49,15) Welch größeren, welch zarteren Ausdruck Seiner Liebe könnte es geben?

Gleich nach der Fronleichnamsoktav feiert die hl. Kirche das Fest und die Oktav des Heiligsten Herzens Jesu. Es ist schlicht und einfach die Fortsetzung desselben Gegenstands unseres Glaubens und unserer Andacht. Erwidern wir die große Liebe, die er uns erzeigt hat und immer noch erzeigt, nicht mit Gleichgültigkeit und Nachlässigkeit, sondern durch ebenso großer Liebe: „Herz Jesu, brennender Feuerherd der Liebe; … Gefäß der Gerechtigkeit und Liebe; … voll Güte und Liebe – Erbarme dich unser!“ (Herz Jesu Litanei)

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Hl. Geistes. Amen.

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