Predigt für den 9. Sonntag nach Pfingsten.

11. August 2019

Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Hl. Geistes. Amen

In Christus Geliebte,

Das heutige Evangelium ist höchst beeindruckend: Der Heiland weint über die heilige Stadt Jerusalem, wo Gott in Seinem heiligen Tempel etwa 1.000 Jahre lang gewohnt hat.
„Wie kann Gott so etwas zulassen?“ fragen die heutigen „Christen“ bei jeder Gelegenheit. „Hätte Gott es nicht anders einrichten können? Hätte Er es nicht verhindern können, daß Sein Volk in den Götzendienst fällt, usw.?“ Wie dümmlich, wenn jemand so über Gott denkt oder redet. Gott ist doch unendlich weise, unendlich klug …
Wiederum bringt uns der hl. Paulus in der Lesung auf die richtige Fährte. Er erinnert uns an einige Begebenheiten, welche im Lauf der Geschichte der Hebräer vorgekommen sind. Immer wieder haben sie Gott auf verschiedene Weise beileidigt und so Seinen gerechten, strafenden Zorn herausgefordert. Er ist äußerst geduldig gewesen mit dem Volk, das Er sich auserwählt hatte, nämlich etwa 1.400 Jahre lang. Wer von uns würde so lange zuwarten …?
Kaum hatten sie am Fuße des Berges Sinai dem Bund mit Gott zugestimmt, da haben sie auch schon ein goldenes Kalb machen lassen, um es götzendienerisch zu verehren. So haben sie gleich ihr äußerst feierliches Versprechen Gott gegenüber gebrochen, obwohl sie wußten, daß es eine Angelegenheit auf Leben und Tod war. Sie wurden bestraft und mußten 40 Jahre lang in der Wüste umherirren, bis auch die letzten Abtrünnigen unter ihnen gestorben waren. – Trotzdem hat das auserwählte Volk Gott immer wieder beleidigt, herausgefordert und verraten, quer durch die Jahrhunderte.
Ganz ähnlich hat auch Saul, der erste König Israels, Gott, dem wahren König Israels, nicht die Treue gehalten, sondern sich gegen Ihn vergangen. David, der zweite König, hat von Gott die erhabensten Versprechen für sich und seine Nachkommen erhalten – von denen viele sich schließlich erst in Christus erfüllt haben. Doch durch seinen Ehebruch mit Bethsabee, der Frau des Urias, und später durch eine vermessentliche Volkszählung hat er große Strafen auf sich, auf seine Familie und sein Volk herabgerufen. Sein Sohn Salomon förderte am Ende seines Lebens den niedrigsten Götzendienst seiner Frauen, nur weil er seine Fleischeslust nicht abgetötet hatte. Die allermeisten Könige Judas und Israels waren untreu gegen Gott. So wurden die Königreiche von Israel und dann von Juda nach nur drei bis vier Jahrhunderten vernichtet. Das Volk erlitt seine härteste Strafe, die siebzigjährige Gefangenschaft im babylonischen Exil. Als es dann zurückkehrte, waren die glorreichen Tage der Hebräer vorbei. Schließlich machten sie das Maß ihrer Bosheit voll, indem sie das unschuldige Blut des menschgewordenen Gottessohnes auf sich herabriefen und laut bekannten, sie hätten keinen anderen König als Cäsar!
Wir können und müssen aus alledem lernen, daß Gottes Verheißungen sehr ernst gemeint sind. Gleichzeitig sind sie aber meist bedingt, denn ihre Erfüllung hängt gewöhnlich von unserer geschöpflichen Mitwirkung ab. In diesem Punkt besteht die Gefahr, der auch viele tatsächlich erliegen, daß wir eine mechanistische oder materialistische Vorstellung vom christlichen Leben haben. Gottes Mühlen mahlen langsam, wie man sagt. Er wird aber schließlich Seinen Plan ausführen. Er allein hat das Steuer in der Hand!
Die Geschichte des auserwählten Volkes und der heiligen Stadt Jerusalem ist ein Vorbild und Abbild des Lebens unserer Seelen. Ausgenommen die Unbefleckte Empfängnis, die allerseligste Jungfrau Maria, haben alle Gott beleidigt, immer und immer wieder. Wir sind dafür in mehr oder weniger wahrnehmbarer Weise bestraft worden. Doch wie wenige heilsame Lehren haben wir aus alledem gezogen, wenn wir auch weiterhin sündigen! Dabei wissen wir ja mit letzter Gewißheit, daß uns der ewige Tod droht! Wann werden wir endlich aufwachen und den Ruf und die Warnung des Heilandes hören:

Wenn doch auch du es erkannt hättest, und zwar an diesem deinem Tage, was dir zum Frieden dient!“

Wie lange glauben wir, die wahre Bekehrung unseres Geistes und unseres Herzens noch aufschieben zu dürfen? Wie oft können wir Gott beleidigen und doch darauf vertrauen, daß Er uns nicht ewig bestrafen wird? Wie oft werden wir noch die Vorwürfe unseres Gewissens mißachten, bevor es schweigt und uns lebendig tot läßt?
Die Liturgie gibt uns auch heute wieder die Mittel an, damit wir leben und im wahren Leben fortschreiten können. In der Kommunionantiphon beten wir die Worte Christi:

Wer Mein Fleisch ißt und Mein Blut trinkt, der bleibt in Mir und Ich in ihm“.

Die hl. Eucharistie ist ohne jeden Zweifel der Mittelpunkt und das Herz der wahren Gottesverehrung, die wahre Nahrung unserer Seelen auf dieser Pilgerreise des Erdenlebens. Die anderen sechs Sakramente sind um diesen Mittelpunkt herum angeordnet. Die Postcommunion gibt uns eine wertvolle Lehre hinsichtlich der Wirkungen der hl. Kommunion:

Die Vereinigung mit Deinem Sakramente möge uns Läuterung bringen (nämlich von unseren täglichen Sünden aus Gebrechlichkeit) und Einigkeit verleihen.“

Wir müssen uns unserer tiefen Unwürdigkeit und Unreinheit bewußt sein als Geschöpfe und als Sünder, deshalb bitten wir um Reinigung und Läuterung. Und wir müssen wahrnehmen, daß unsere Rettung sehr wohl eine persönliche Angelegenheit ist – wir können im eigentlichen Sinne keine anderen Seelen retten, sondern ihnen nur helfen, daß sie sich retten; und daß sie doch einen sozialen Gesichtspunkt hat wegen der unausweichlichen Tatsache der menschlichen Natur, die eine soziale Veranlagung mit einschließt. Das erste und vornehmliche Kennzeichen der wahren Kirche ist ihre grundlegende Einheit und Einigkeit – und das muß sich niederschlagen in der geistigen Einheit unserer Gruppen und Kapellen. Diese Einheit beruht ganz und gar auf der Einheit des Glaubens; die menschliche Autorität und daher die Einheit durch die kirchliche Obrigkeit fehlt ja leider derzeit.

O Herr … damit Du den Bittenden ihre Wünsche gewähren könnest, laß sie verlangen, was Dir wohlgefällig ist“,

sprechen wir im Tagesgebet. Wir müssen uns ernsthaft anstrengen, uns bemühen, Gott die Ehre zu geben, denn das ist das erste Ziel der Schöpfung. Darum betet das Graduale:

O Herr, unser Herr, wie wunderbar ist doch Dein Name allüberall auf Erden. Denn Deine Herrlichkeit ist hoch erhaben über alle Himmel.“

Beinahe täglich beten wir im Gloria der hl. Messe:

Wir sagen Dir Dank ob Deiner großen Herrlichkeit.“

Das ist recht schwer zu begreifen für den verbogenen „modernen“ Verstand, der ganz auf niedere Ziele und Zwecke ausgerichtet ist und darüber den wahren Zweck der ganzen Schöpfung vergißt: die Ehre Gottes.
Lernen wir täglich bessere Gotteskinder werden und als wahre Katholiken leben. Erkennen wir unsere Sünden und unsere große Gebrechlichkeit und leisten wir Wiedergutmachung für unsere vielen Sünden. Dann wird der Heiland nicht über das Schicksal unserer Seele zu weinen brauchen am Tage des Gerichts!

Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Hl. Geistes. Amen.

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