Predigt für den 7. Sonntag nach Pfingsten, 28. Juli 2019

Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Hl. Geistes. Amen

In Christus Geliebte,

Die Liturgie macht heute wieder einmal eine klare und deutliche Aussage, welche für unser geistliches Leben von hervorragender Bedeutung ist. Wir finden sie im Tagesgebet:

O Gott, dessen Vorsehung sich in ihren Anordnungen nicht täuscht …“

Die göttliche Vorsehung, also die Tatsache, daß Gott sich wirklich und tätig um Seine Schöpfung kümmert und insbesondere um die Geschöpfe, welche Er mit Verstand ausgestattet hat, ist eine der ganz grundsätzlichen Glaubenswahrheiten, welche jede Seele, die in den Himmel kommen will, glauben muß. Die Dekrete der hl. Kirche sind in dieser Hinsicht immer ganz klar und eindeutig gewesen.
Das moderne Denken leugnet die Vorsehung Gottes, besonders durch den „wissenschaftlichen“ Mythos der Evolutionslehre. Alles verändert sich ständig, natürlich zum Besseren, so glaubt der Mensch, der sich dabei modern dünkt; und durch diese ständige Veränderung erledigt sich alles von selber. Dadurch wird Gottes vorausschauende Tätigkeit überflüssig.
Die Feststellung des heutigen Tagesgebetes, daß Gottes Vorsehung sich in ihren Anordnungen nicht täuscht, wird von den übrigen Texten der Liturgie dieses Sonntags untermauert:
In der Lesung ermahnt uns der hl. Paulus, daß wir uns der Sünde enthalten:

Denn der Sold der Sünde ist der Tod; das Gnadengeschenk Gottes aber ist ewiges Leben.“

Wie können wir die Sünde meiden? Im Graduale beten wir:

Kommet, ihr Kinder, höret mich; die Furcht des Herrn will ich euch lehren. Nahet euch Ihm, ihr sollt strahlen vor Freude: nicht wird euer Antlitz in Enttäuschung erröten.“

Die Kirche und die Autorität der Kirche, welche Gott gestiftet hat, hat als vorrangiges Ziel, Gott die höchste Ehre zu erweisen. Wir als Einzelpersonen ordnen uns diesem Erstzweck der Kirche unter, wenn wir uns um die Heiligung und Rettung unserer Seele kümmern. Dies also ist die wahre christliche Wissenschaft und Weisheit: Daß wir unsere Gedanken, Worte und Werke so in Ordnung bringen und halten, daß wir die Rettung unserer Seele sicherstellen. Der Anfang der Weisheit aber ist die Furcht des Herrn, von der das Graduale spricht!
Im Offertorium werden wir sodann – wie so oft – über die wahre Holocaustreligion unterrichtet, und zwar in den Worten des Propheten Daniel. (Eines der feststehenden Offertoriumsgebete, „In spiritu humilitatis“, ist auch aus dieser Stelle genommen.)

Wie Brandopfer (holocaustis) von Widdern und Farren und von Tausenden fetter Lämmer, sei heut unser Opfer vor Deinem Angesicht, auf daß es Dir wohlgefalle. Denn wer auf Dich vertraut, o Herr, wird nicht enttäuscht.

Das Stillgebet (Sekret) führt diesen wichtigen Gedanken des Ganzbrandopfers weiter aus. Wir müssen stets mit der rechten Opfergesinnung der hl. Messe beiwohnen. Nie dürfen wir mit leeren Kopf oder mit leeren Händen am Opfer Christi teilnehmen. Denn es ist nichts anderes als die Erfüllung der verschiedenen Opfer des alten Gesetzes durch das eine vollkommene Opfer. Christus hat dieses vollkommene Opfer in seiner menschlichen Natur auf Kalvaria dargebracht durch sein heiliges Leiden und Sterben am Kreuz. Er ist das wahre und nunmehr einzige Ganzbrandopfer (holocaustum), die Erfüllung aller Opfer und insbesondere der Ganzbrandopfer des alten Gesetzes, bei denen die ganze Opfergabe zur Ehre und zum Lobpreis Gottes durch Feuer verzehrt wurde. (Bei allen anderen Opfern haben die Priester oder die Stifter des Opfers einen Teil der Opfergabe gegessen.) Dieses eine und einzige Opfer Christi hat, gemäß dem Willen des Vaters, Gott die größte Ehre erwiesen und der göttlichen Gerechtigkeit vollkommen genug getan. Unsere Opfer haben nur einen erlösenden Wert, wenn wir sie mit der Opfergesinnung Christi vereinigen. Ein Katholik muß beständig diese Opferhaltung fördern und aufrechterhalten. Er tut dies, indem er Gott das beste von dem gibt, was er ist oder was er hat, sei es im persönlichen oder im sozialen Bereich.
Schließlich betet die Kirche heute bei der hl. Kommunion:

Neige Dein Ohr und eile mich zu retten.“

Nachdem wir unseren Geist und unseren Leib vorbereitet haben, Gott zu dienen, Ihm stets besser zu dienen durch vollständige Unterordnung unseres Willens unter die Anordnungen Seiner väterlichen und vorsehenden Liebe, bitten wir Ihn um Seine Hilfe. Ganz ähnlich beten wir im Vaterunser:

Und führe uns nicht in Versuchung“.

Dies scheint Herr Bergoglio überhaupt nicht zu verstehen … Gott will nicht unsere Sünden oder Unvollkommenheiten. Aber weil Er den Stoff kennt, aus dem wir gemacht sind; weil Er sich erinnert, daß wir Staub sind (vgl. Ps 102,13), darum möchte Er, daß wir Ihn in unseren Schwierigkeiten und in unserem Elend um Seine Hilfe anflehen. Er weiß ja, daß wir ohne Seine Hilfe nicht lange im Guten ausharren können!
Zweimal bitten wir heute in den Gebeten nach der hl. Kommunion Gott, daß Er uns von unseren verkehrten Neigungen (perversitatibus; Postcomm. der Messe sowie Hilfsoration) befreien möge. Gott sei Dank sind wir nicht pervers in dem Sinne, wie dieses Wort heute zumeist gebraucht wird. Aber unser Geist und Wille ist doch als Folge der Erbsünde verkehrt, verdreht, durcheinander. Unsere Seelenkräfte drehen sich nach allen Richtungen, während sie sich doch ganz und gar auf Gott, auf Seine Ehre und unser Heil konzentrieren sollten. Unser Wille kann sich sogar geradewegs gegen Gott stellen! Er kann 180° gegen seinen Schöpfer handeln! Deshalb hat uns die Kirche am 4. Sonntag nach Pfingsten beten lassen (Sekret):

Zwinge all unser Wollen, auch das aufrührerische, in Deiner Güte zu Dir hin“.

Wenn darum manchmal die Ausdrücke, welche die hl. Kirche in ihren Gebeten verwendet, hart oder übertrieben erscheinen, so liegt dies doch nur an der Schwäche unseres Geistes, die wahren Sachverhalte gründlich zu durchschauen.
Lernen wir also von Neuem und immer besser, Gott zu dienen, wie es sich gebührt:

Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen …“

Hüten wir uns vor dem Sauerteig der Pharisäer, wie uns Christus warnt, vor diesem Ferment der Sünde in ihren schlimmsten Formen, nämlich der Scheinheiligkeit, der Oberflächlichkeit, der geistlichen Faulheit. Dienen wir Gott, so gut wir können, Tag um Tag, Stunde um Stunde, ohne jegliche ungeordnete Sorge um uns selber oder um unsere Zukunft. Denn so lehrt uns der Heiland heute in den Worten des Evangeliums aus der Bergpredigt:

Nicht jeder, der zur Mir sagt: Herr, Herr! wird in das Himmelreich eingehen, sondern wer den Willen Meines Vaters tut, der im Himmel ist, der wird in das Himmelreich eingehen.“

Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des Hl. Geistes.
Amen.

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