Verrat am Evangelium Jesu Christi

Aus Anlass des Festes der hll. Apostelfürsten Petrus und Paulus veröffentlichen wir einen Artikel, welcher manchem Leser helfen wird, klarer zu sehen in dem fast unentwirrbaren Gestrüpp von traditionellen, konservativen und vielen anderen Spielformen der modernen Religion von Vatikan2. Es wird hier gezeigt, wie die Weigerung, den wahren Zustand der Autorität in der Kirche anzuerkennen, zu stets weiter gehenden pastoralen Verirrungen führt und führen muss.
Bergoglio sowie seine Vorgänger seit Vatikan2 sind nicht katholische Päpste, da ihnen das formelle Element des Papstseins, nämlich die Autorität Christi fehlt.

Verrat am Evangelium Jesu Christi

Eine Betrachtung über das apostolische Wirken der Kirche im Gegensatz zur pastoralen Häresie

von

P. Arnold Trauner

Im mittleren Teil seines Briefes an die Hebräer erwähnt der hl. Völkerapostel Paulus immer wieder die Stelle aus dem Psalm 109: „Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech“. Dieser Vers bezieht sich natürlich in erster Linie auf Christus selber, den Hohepriester des Neuen und Ewigen Bundes. Er muss aber auch auf jene bezogen werden, welche nach dem Willen der Kirche teilnehmen am Priestertum Christi, die menschlichen Priester.
Die geballten Irrlehren des Modernismus beinhalten auch jene Verirrung, welche den katholischen Priester, den Priester Jesu Christi, bloß als einen Menschen wie jeden anderen betrachtet. Dies wissen noch einigermaßen alle guten Katholiken. Denn der Priester ist freilich seiner menschlichen Natur nach allen anderen Menschen gleich. Doch ist er durch das empfangene Weihesakrament von Gott aus den übrigen Menschen herausgehoben und für ihre Anliegen bei Gott bestellt worden.
Doch unter den „konservativen“ oder „traditionalistischen“ Katholiken – und Priestern – grassiert seit Langem eine verwaschene Sicht des Priestertums. Auch sie kommt aus der Häresie und führt zur Häresie.
Während der erwähnte Irrtum, den Priester als einen Menschen wie jeden anderen zu sehen, von ihnen zurückgewiesen wird, so entkommen sie doch nicht einer subtileren Form desselben. Vor allem durch die mangelhafte oder gar nicht erfolgte Aufarbeitung der „liturgischen Bewegung“ – neben der Schriftauslegung und der Soziallehre eines der Haupteinfallstore des Modernismus in die Herzen vieler Gläubigen – degradieren die Gläubigen ihre Priester und deren Wirken, die Pastoral.
Dies ist übrigens nichts anderes als eine fatale Parallele zur degradierten naturalistischen Sicht der Kirche.
Daraus folgt dann die pastorale Häresie, d.h. eine Auffassung des Wirkens der Kirche, welche dem wahren Sinn und der wahren Natur desselben widerspricht.

Die katholische Pastoral: Lehren, Heiligen, Hüten…

… ist nichts anderes als die tagtägliche Wirkung der Sendung, welche die Kirche von ihrem göttlichen Stifter erhalten hat und welche sie unter dem Beistand des Hl. Geistes, des „Herrn und Lebensspenders“ (Credo der Messe), bis ans Ende der Zeiten ausübt. Christus spricht am Abend des Ostertages zu seinen Aposteln: „Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Joh 20,21). Der Vater hat aber Seinen wesensgleichen Sohn in die Welt gesandt, nicht damit er „halt irgendwas tue“ für die Menschen, sondern damit er die Welt rette: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, weil er an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.“ (Joh 3, 16-18)
Die Sendung der Kirche, nach dem erwähnten Wort Christi eine Fortsetzung der göttlichen Sendung des Erlösers, besteht wesentlich darin, dass sie das zu Glaubende lehrt, die Gläubigen mit den Glaubensmitteln heiligt und von ihnen ein Leben gemäß dem Glauben einfordert. Alles Tun der Kirche ordnet sich stets ein in diese dreifache Aufgabe des Lehrens, Heiligens und Hütens.
Nie kann es geschehen, dass die Kirche „aus pastoralen Gründen“ oder „aus pastoraler Klugheit“ den Glauben unter den Scheffel stellt oder gar kompromittiert. Denn damit würde sie ihr eigenes Wesen veräußern, d.h. profanieren.

Die pastorale Häresie…

… hat sich vom wahren kirchlichen Sein und Leben abgekoppelt. Bei ihr handelt es sich um ein falsches Verständnis und eine falsche Handlungsweise, was die Verwaltung des Hirtenamtes betrifft. Dieses Verständnis hat zu der Ansicht geführt, dass der Priester der soziale Leiter eines lebenslangen Ferienlagers ist, mit der Belohnung, dass „alle, alle in den Himmel kommen“, wenn sie brav gewesen sind.

„Die Pöbelhaftigkeit des modernen Klerus ist umso schlimmer, als die Erziehung der Seele im Abendland immer nur den Fußstapfen der Geistlichkeit gefolgt ist.“ (Dávila)

Berechtigung der Pastoraltheologie

Das Apostolat im eigentlichen Sinn ist der Hierarchie der Kirche, unmittelbar also dem Papst und den Bischöfen, anvertraut. Pius XI. sagt unzweideutig, dass jegliches Apostolat der Laien unter Aufsicht und mit Billigung der Hierarchie geschehen muss.
Dabei handelt es sich nicht um „Klerikalismus“, sondern um eine Folgerung aus der Tatsache, dass die von Christus gestiftete Kirche hierarchisch verfasst ist. Der Unterschied zwischen Hierarchie und Laien ist göttlicher Einsetzung. So lehrt der hl. Pius X. in seinem Katechismus (Frage Nr.183), so steht es im kirchlichen Gesetzbuch.
Es gibt einen Zweig der Theologie, welcher „Pastoraltheologie“ genannt wird. Er hat voll und ganz seine Berechtigung und ist nicht, wie von manchen Konservativen vermutet wird, eine Einführung des Vatikanum2 oder der diesem unmittelbar vorangegangenen Jahre.
Was aber ist der Gegenstand der katholischen Pastoraltheologie? Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis einer im Jahre 1910 in Innsbruck gedruckten Pastoraltheologie klärt uns auf. Dort finden wir als große Kapitel:
1. Person des Hirten
2. Verwaltung des Hirtenamtes
Unter 1. wird die Berufung zum Seelsorger abgehandelt, sodann seine sakramentale Befähigung (Weihe) und seine kirchliche Bevollmächtigung.
Unter 2. wird eingegangen auf die Verwaltung des Lehramtes, dann des Priesteramtes und schließlich des königlichen Amtes.

Weder Angleichung noch ein friedliches Nebeneinander

Bei den Konservativen und „Traditionalisten“ kommt die pastorale Häresie in abgeschwächter und deshalb oft unerkannter Form vor. Während die Modernisten und Post-Modernisten einen Ausgleich oder eine Angleichung der Kirche mit „der Welt von heute“ anstreben, wollen die Konservativen oder die „Traditionalisten“ eine Art friedlichen Nebeneinanders mit der Welt erreichen. Grundsätzlich ist ihr Fehler genau derselbe, nämlich schlicht und einfach der Verrat am Evangelium Unseres Herrn Jesus Christus, welcher den unversöhnlichen Gegensatz von Weltbürgerschaft und Jüngerschaft erklärt hat. So lesen wir etwa beim hl. Johannes: „Wenn die Welt euch hasst, so wisset, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wäret ihr von der Welt, so würde die Welt das Ihrige lieben. Weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch von der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt.“ (Joh 15,18-19) „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr werdet weinen und wehklagen, die Welt aber wird sich freuen.“ (Joh 16,20) „Ich habe ihnen mein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, wie auch ich nicht von der Welt bin.“ (Joh 17,14) Der hl. Jakobus wiederum schreibt: „Ihr Ehebrecher! Wisst ihr nicht, dass die Freundschaft mit dieser Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also Freund dieser Welt sein will, der wird ein Feind Gottes.“ (Jak 4,4) Die Reihe von Zitaten solchen Inhaltes könnte beliebig fortgesetzt werden aus der Tradition und der hl. Schrift!
Gleichzeitig kann man nicht ein Freund der Welt und Gottes sein! Einerseits werden die „Konzilskirche“ oder die „Modernisten“ ständig verurteilt und an den Pranger gestellt, andererseits darf man nicht mit ihnen brechen. Einerseits Anerkennung, andererseits Ungehorsam und Widerstand. Einerseits brandmarkte die Piusbruderschaft mit Mgr. Lefebvre Johannes Paul II. als „Antichristen“, andererseits verknüpft sie die Weihe ihrer Seminaristen mit der Bedingung, ein Dokument zu unterzeichnen, das sie zur Anerkennung desselben als „legitimen Papst“ und folglich zur Erwähnung des Namens eines „Antichristen“ im KANON der hl. Messe verpflichtet. So werden im eigenen Lager Regeln aufgestellt und Praktiken eingeführt, welche mit dem katholischen Glauben nicht vereinbar sind.
Hinzu kommt der gewichtige Umstand, dass viele „Traditionalisten“ und alle Konservativen auf dem Boden einer falschen Tatsache stehen. Sie gehen stets davon aus, dass die gegenwärtige Lage der Kirche zwar misslich ist, jedoch nur graduell von früheren Krisen verschieden. Sie leugnen oder übersehen das Faktum, dass die katholische Kirche wenigstens seit 1965 ihres sichtbaren Oberhauptes, d.h. eines rechtmäßigen und wahren Papstes, beraubt ist sowie ihrer Jurisdiktionshierarchie. Nicht nur sind sie nicht gewahr, dass sie damit für sich den katholischen Glaubensakt unmöglich machen, (siehe dazu unsere Glaubensgespräche, vor allem die vierte Folge) sondern sie manövrieren sich damit auch in eine Praxis, welche dem gesunden Menschenverstand widerstreitet.

Der Irrtum der Konservativen

Ganz grundsätzlich bedeutet dies, dass die „Konservativen“ neben und trotz einer von ihnen an den Pranger gestellten Hierarchie „katholisch bleiben wollen“. Dies geht gegen den katholischen Hausverstand, welcher weiß, dass der Glaube von der Kirche kommt und die Kirche Christi aus göttlicher Stiftung hierarchisch verfasst ist, wie bereits gezeigt wurde. Wenn also eine wahre katholische Hierarchie, die nächste Norm des Glaubens, vorhanden ist, dann darf ich den Glauben, das Glaubenswissen und die Glaubensmittel nur durch diese Hierarchie „beziehen“. Sonst bin ich entweder schismatisch oder häretisch oder beides; ich empfange die Gaben Christi aus unreinen Quellen und durch verunreinigte Kanäle.
Falls aber schon seit langem keine wahrhaft katholische Hierarchie vorhanden ist, dann und nur dann kann und muss ich mich auf die Tradition, die entfernte Norm des Glaubens, stützen und in Übereinstimmung mit dem, was Christus durch seine Kirche immer getan hat und bis zum Weltende tun wird, den Glauben bekennen, das Glaubenswissen pflegen und hüten und die Glaubensmittel – Sakramente, Sakramentalien etc. – als Priester oder Bischof spenden bzw. als Gläubiger empfangen.
Die „Konservativen“ müssten also, solange sie Bergoglio und seine Vorgänger seit Vatikan2 als rechtmäßige Oberhirten bzw. die Ortsbischöfe als katholische Hirten anerkennen, von diesen und nur von diesen den Glauben, die Glaubenslehre und die Glaubensmittel empfangen. Viele von ihnen aber wollen dies nicht, sondern verlangen nach der „alten Messe“, dem „unverfälschten katholischen Glauben“ usw. Sie tun dies aber – wie oben gezeigt – nicht aus Glaubensüberzeugung, sondern eher aus sentimentalen Gründen: die „alte Messe“ ist halt schöner, erhebender als die „neue“; die früheren Katechismen und Bücher sind „klarer“ oder „verständlicher“; man blickt zwar nicht durch bei den falschen Lehren von Vatikan2, aber man hat so ein Bauchgefühl, dass das nicht stimmen kann.
Die „Konservativen“ werden durch ihre vorgeblich katholischen Hirten irregeführt und im Irrtum festgehalten. Sie engagieren sich in einer Art Klassenkampf mit der von ihnen als katholisch anerkannten Hierarchie, anstatt wahrhaft katholisch zu denken, zu glauben und zu leben.

Weltweites Apostolat gegen die „wahre katholische Hierarchie“

Die „Traditionalisten“, Piusbruderschaft und diverse Splittergruppen, stellen sich auf dieselbe Grundlage wie oben gezeigt, gehen aber einen bedeutenden Schritt weiter. Ihre Anerkennung „des Papstes und der Bischöfe“ ist reines Lippenbekenntnis, weil sie ja nicht neben und trotz (lat. praeter) einer bestehenden Hierarchie, sondern vielmehr wider (lat. contra) diese Hierarchie ihr Apostolat weltweit und dauerhaft betreiben. Viele von ihnen tun dies in einer Art „guten Glaubens“, weil sie die theologische Frage, welche mit der Autorität in der Kirche zusammenhängt, ausklammern – und damit sind wir wieder bei unserem Thema. Denn ein solches weltweites Apostolat auf falscher theologischer Grundlage muss notwendig zu einer Unzahl an Verirrungen und Verwirrungen auch in der Pastoral führen.
Bereits seit ihren Anfängen wandelt die Piusbruderschaft (FSSPX) auf diesem theologischen Minenfeld. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es dort ständig zu Krisen und Spaltungen kommt. Etwa die Hälfte der in der FSSPX und den „befreundeten Ordensgemeinschaften“ geweihten Priester ist heute woanders … Keine Diözese, kein Orden und keine Kongregation wäre vor Vatikan2 mit solchen statistischen Werten ungeschoren davongekommen!
Sehr früh ist auch von verschiedener Seite der Finger auf diese theologische Wunde gelegt worden.
So schreibt nach der ersten Verurteilung der FSSPX der Osservatore Romano, indem er die berühmte Erklärung Mgr Lefebvres vom 21. November 1974 kommentiert (OR vom 8. Mai 1975. Die hier von uns übersetzten Stellen nach der frz. Version in: Son Excellence Mgr Lefebvre, Nos rapports avec Rome, Le Moulin du Pin 2013, S. 180):

„Wem werden jene, welche diesem Dokument zustimmen, in letzter Konsequenz gehorchen? Wer ist der Interpret dieser Tradition, auf welche man sich beruft, wenn die Interpretation des lebendigen Lehramtes von vornherein als suspekt betrachtet wird? Was soll man von jenen denken, welche in diesem Geiste ausgebildet werden? (…) Man zögert, von einer ‚Sekte‘ zu sprechen, aber wie soll verhindert werden, dass man wenigstens daran denkt? Dass heute in der Kirche solche Haltungen aufkommen können, dass sie öffentlich ausgedrückt werden können und dabei Personen guten Glaubens mitreißen, und dass man den kirchlichen Geist in solchem Maße verlieren kann, während man behauptet, die Kirche zu retten, ist ein Grund für schwerwiegende Überlegungen.“

Ebenso hat Kard. Šeper bei der Befragung EB Lefebvres in Rom am 11. Jänner 1979 präzise die grundlegenden und relevanten Fragen gestellt, und zwar gleich zu Beginn!

(1.) „Muss man aus diesen Behauptungen folgern, dass nach Ihrer Ansicht der Papst durch die Kundmachung und Vorschreibung des neuen Ordo Missae und die Gesamtheit der Bischöfe durch dessen Annahme eine neue, eine ‚konziliare‘ Kirche, eine mit der katholischen Kirche von Grund auf unvereinbare Kirche errichtet und sichtbar um sich geschart haben?“

(2.) „Behaupten Sie, ein gläubiger Katholik dürfe glauben und behaupten, dass ein vom Papst genehmigter und kundgemachter sakramentaler Ritus, insbesondere jener der Messe, dem katholischen Glauben nicht entsprechen oder‚ die Häresie begünstigen‘ könne?“ (EB Marcel Lefebvre und das Hl. Offizium, Mediatrix-Verlag Wien, 1981, S.156-157.)

Die Antworten EB Lefebvres sind, gelinde ausgedrückt, sehr schwach! Auf diese grundlegenden Fragen gibt es aus seinem Munde kein klares „Ja“ oder „Nein“.
Es hat alles nichts genützt. Die „Traditionalisten“ sind davon überzeugt, dass sie „die Kirche retten“ (vgl. z.B. den Titel einer monumentalen Ausgabe auf Deutsch von Ansprachen und Predigten von Erzbischof M. Lefebvre: „Damit die Kirche fortbestehe“); dass „das Experiment der Tradition“, zugestanden in den ersten Monaten nach dem Antritt des polnischen „Papstes“, gelingen werde und damit „Rom“, gleichzusetzen mit dem „Papst“, zur „Tradition“, also zum Katholisch-sein zurück kommen werde.
Es wäre nicht besonders schlimm, dass ein paar Hundert Priester auf diese Weise und auf dieser maroden Grundlage „Kirche spielen“, wenn nicht das Heil vieler Seelen daran hinge. Nur deswegen gilt es, darüber zu reden und die Dinge klar zu stellen. Denn die falsche theologische Ansicht über die Autorität in der Kirche ist nicht bereinigt worden, sondern bringt bis heute ihre vergifteten Früchte durch die häretische Pastoral der „Traditionalisten“ hervor, zum Schaden Tausender Seelen.
Denn die „traditionalistischen“ Priester betrachten sich als nichts weniger als Hirten jener Gläubigen, welche sich an sie wenden. Sie selber aber sind in der Praxis von den Hirten der katholischen Kirche, dem „Papst“ und den „Bischöfen“, welche sie als solche anerkennen, getrennt.
Die derzeitige Führung der Piusbruderschaft gehorcht weiterhin den Worten EB Lefebvres, der erklärte:
„Wir wollen mit Rom verbunden bleiben, mit dem Nachfolger Petri, wenn wir auch den Liberalismus Pauls VI. aus Treue zu seinen Vorgängern ablehnen.“

Das Generalhaus in Menzingen erklärte am 4. April 2017:
„Die Priesterbruderschaft St. Pius X. dankt dem Heiligen Vater (i.e. Franziskus/Bergoglio) innig für seine oberhirtliche Fürsorge“ hinsichtlich der gültigen Spendung des Ehesakraments.
Sie sagen, dass sie theoretisch mit dem sichtbaren Haupt der Kirche verbunden sind, aber praktisch halt nicht, sooft dieses Haupt nicht katholisch denkt oder spricht. Verstehe das, wer will!
Die pastoralen Folgen bleiben jedoch nicht aus: Unzählige Gläubige „guten Glaubens“ wenden sich an die FSSPX – praktisch ebenso viele verlassen wieder ihre Reihen.

Ersatzweise Jurisdiktion

Als im Jahre 2012 die Machenschaften der FSSPX, ihre Verhandlungen mit Rom auf höchster Ebene, nach fünfzehn Jahren Geheimhaltung aufgeflogen sind, haben viele Gläubige, welche sich in ihrem Vertrauen enttäuscht gesehen haben, entrüstet aufgeschrien. So manche von ihnen sind der Gottesdienstorte verwiesen worden, welche sie oft lange materiell unterstützt hatten. Es hat auch Fälle solcher „Exkommunikationen“ gegeben, welche per Telefon geregelt worden sind.
Die FSSPX hat schon immer behauptet, sie tue all ihr Apostolat aufgrund einer „supplierten Jurisdiktion“.
Die jurisdiktionelle Gewalt – die das Recht gebende und Recht sprechende Gewalt der Kirche – steht ganz im Dienste des allgemeinen Zieles oder Gutes der Kirche: der Verherrlichung Gottes und der Rettung der Seelen. „Salus animarum suprema lex. – Das Heil der Seelen ist das höchste Gesetz.“
Diese Jurisdiktion ist aber keine frei verfügbare Handelsware in der Kirche. Sie ist auch keine Rechtsfiktion. Vielmehr ist sie eines jener geistigen Güter, mit welchen Christus seine Kirche ausgestattet hat. Er hat dies aber getan durch die Einsetzung einer Hierarchie, welche in der Jurisdiktions- und Weihehierarchie besteht. Während die Kirche derzeit der ersteren beraubt ist, ist die letztere unverzichtbar, weil die Spendung aller Sakramente – Taufe und Ehe ausgenommen – völlig an ihrem Fortbestehen hängt. Auch hier möge man Genaueres in den Glaubensgesprächen nachhören bzw. nachlesen, besonders in der fünften Folge.

Verherrlichung Gottes, Heil der Seelen: Causa finalis

In der jetzigen Situation, wo die Kirche ihrer Autorität beraubt ist, nämlich des menschlichen, irdischen oder sichtbaren Vertreters Jesu Christi, durch den die von Christus ausgehende universelle Gewalt im Himmel und auf Erden gewöhnlich verwaltet wird, gilt es, auf Schritt und Tritt „aufzupassen wie ein Haftelmacher“, wie man hierzulande sagt. Vor allem muss man darauf achten, nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren, während man sich in technische Details ergeht.
Dies geschieht aber notwendig und immer, sobald die „causa finalis“ außer Acht gelassen wird. Die „causa finalis“ ist der Ziel- oder Zweckgrund und hat eine besondere Stellung in der scholastischen Denkweise. Denn „primum in intentione est ultimum in executione“ – „das Erste in der Absicht ist das Letzte in der Ausführung“. Sie wirkt also vom Anfang bis zum Ende einer Sache oder Handlung.
Wer heute katholisch sein oder bleiben will, darf das letzte Ziel der Kirche: die Verherrlichung Gottes und das Heil der Menschenseelen, nicht aus den Augen verlieren. Jene, welche den wahren Zustand nicht sehen oder nicht sehen wollen, und dazu gehören alle Konservativen und Traditionalisten, tun so, als ob grundsätzlich alles in Ordnung wäre. Weil sie aber an allen Ecken und Enden an der von ihnen verkannten Realität anstoßen, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als Kirche zu spielen. Was hier in etwa lustig klingen mag, ist dann in der tagtäglichen Wirklichkeit überhaupt nicht mehr lustig – wenn nämlich Erwachsene, bis hin zu Priestern und Bischöfen, Kirche spielen, anstatt zu versuchen, in der Befolgung des Buchstabens den Geist nicht zu töten.
Während ich diese Zeilen schreibe, gibt der Generalobere der Piusbruderschaft bekannt, er werde im Sommer 2018 den Mitgliedern einer Kapuzinergemeinschaft nicht die heiligen Weihen erteilen. Dasselbe ist bereits 2012/13 geschehen, und zwar aus dem selben Motiv: einem Mangel an Loyalität dieser „befreundeten Ordensgemeinschaft“ gegenüber der Piusbruderschaft und ihrer aktuellen Führung. Das Erschreckende dabei ist, dass es weder den Leitern der Piusbruderschaft noch den betroffenen Söhnen des hl. Franziskus auffällt, dass sie sich hier in einem ausweglosen dialektischen Gegensatz befinden: Beide messen ihre Absichten und Taten am Beispiel und an den Worten Erzbischof Lefebvres, welche sie gegensätzlich interpretieren. Keiner von ihnen aber kommt auf den Gedanken, ihre Taten und Werke, oder jene von EB Lefebvre, gemäß der „causa finalis“ der Kirche zu beurteilen. Sie können also sine fine, ohne Ende weiter streiten oder „gehorsam sein“: Ihr Verhalten ist in jedem Falle im philosophischen Sinne des Wortes sinnlos … weil und solange sie die „causa finalis“, den Sinn-, End-, Ziel- oder Zweckgrund ihres Denkens und Handelns nicht überdenken. Das Vergessen der „causa finalis“ führt zu einer „causa finita“ oder „causa perdita“, einer abgeschlossenen oder verlorenen Causa!

Schlussbemerkung

Der geneigte Leser möge verzeihen, wenn er enttäuscht worden ist in seiner Erwartung, hier eine lange Aufzählung von Missständen, Missbräuchen o.ä. zu finden. Vielmehr war es meine Absicht, die falschen Grundlagen der unzähligen pastoralen Häresien bloß zu legen. Ein jeder kann dann leicht selber durchblicken, was in jedem einzelnen Falle „gespielt“ wird, ob es sich nun um den Bereich des Kirchenrechts, der Liturgie, der Sakramentenspendung etc. handelt.
Wenn Leute, welche die Abwesenheit (formell betrachtet) des Obersten Hirten nicht wahrnehmen oder nicht wahrnehmen wollen, sich dann zu Hirten (lat. „pastores“) ernennen oder sich als Hirten aufspielen, dann kann nichts Gutes dabei herauskommen. Diese fundamentale Wahrnehmungsstörung und das Beharren in derselben führt zu einer häretischen Pastoral, welche ihres wahren Sinnes beraubt ist. Denn solche selbstgemachten Hirten müssen notwendig ihr eigenes Gut, ihren eigenen Sinn und Zweck, verfolgen, nachdem sie in einem wesentlichen Punkt, der Autorität in der Kirche, in eine aussichtslose Schräglage geraten sind. Immer öfter, in immer mehr Bereichen, gelangen sie in Erklärungsnot. Aus dieser können nur sie selber mit Hilfe der göttlichen Gnade sich retten, indem sie festen Boden unter die Füße bekommen, anstatt sich im tosenden und brausenden Wasser ihres pastoralen Aktivismus treiben zu lassen.
Wir wollen sie alle der Mutter des Guten Hirten anempfehlen, deren Fest die hl. Kirche am 3. September an einigen Orten feiert, sodass Gott einst zu ihnen sprechen kann:

„Du guter und getreuer Knecht, weil du über Weniges getreu gewesen bist, werde ich dich über Vieles setzen: Geh ein in die Freude deines Herrn.“ (Mt 25,21)

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.